Lotte Pritzel - Puppen, Kostüme, Zeichnungen - Titelleiste


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Lotte Pritzel
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Lotte Pritzel in München

Im Münchner Stadtteil Schwabing, in den Kreisen der sogenannten Boheme, findet Lotte Pritzel das Umfeld und die Freiräume, ihre Kunst zu entwickeln. Schwabing soll bis mindestens 1921 ihr Lebensmittelpunkt bleiben, auch wenn eine enge Verbindung zu Berlin, wo auch die Mutter lebt, bestehen bleibt.

Biografische Informationen über die Künstlerin sind spärlich. Mehr über ihr Leben lässt sich durch ein großes Konvolut an Anekdoten und Anmerkungen in Schriften von Literaten, bildenden Künstlern und Theaterleuten erfahren. Pritzels Kreativität und ihre Person werden ebenso verehrt wie die von ihr geschaffenen Figuren. Ein prominenter Verehrer ist Rainer Maria Rilke, der im September 1913 eine Ausstellung in ihrem Atelier in der Kaulbachstraße 69 sieht.

Schon früh bildet sich um die Puppenkünstlerin ein eigener Kreis und sie ist oft Gast im Café Stefanie - Café Größenwahn genannt - und der Künstlerkneipe Simplicissimus. In den Kneipen und Café treffen sie sich - die Freunde, Konkurrenten, Liebespaare und solche, die es werden wollen: Johannes R. Becher und Heinrich F.S. Bachmair gehören dazu, die Schriftstellerin Emmy Hennings und der Lyriker Jakob van Hoddis, um nur einige zu nennen. Letzterer steht seit 1910 in enger Beziehung zu Pritzel und Hennings, eine Konstellation, die sich zunehmend schwierig gestaltet. Eines seiner letzten Gedichte Indianisch Lied widmet van Hoddis Lotte Pritzel: "O Nacht zärtlicher Sterne Gefunkel, In liebesklarer Luft, ..." [Jakob van Hoddis: Indianisch Lied. Gewidmet Lotte Pritzel. In: Die Aktion. Berlin 1914]

Um 1912 stößt der Grafiker Ernst Moritz Engert zu der Gruppe und fertigt seine Schwabinger Köpfe. Auch Lotte Pritzel und ihr späterer Ehemann werden porträtiert. Lotte Pritzel lernt den Arzt Gerhard Pagel (1886-1954) ebenfalls in Schwabing kennen. Nach der Geburt der gemeinsamen Tochter Irmelin 1921 siedelt die Familie nach Berlin um. Die Künstlerin hält sich wahrscheinlich nicht kontinuierlich dort auf, auch Aufenthalte in Baden-Baden sind nachweisbar. Vielleicht bleibt das Atelier in München bestehen. Die privaten Entwicklungen scheinen zunächst keinen Einfluss auf die berufliche Situation der Künstlerin zu haben. So dokumentiert der Ufa-Stummfilm Die Pritzelpuppe 1923 die Erfolge der Künstlerin, die mittlerweile bis in die USA reichen.

Zeitgleich mit dem Umzug nach Berlin erhält Pritzel verschiedene Aufträge von Berliner und Münchner Theatern, ist die Mitarbeit an einem Wiener Figurentheater belegt. Eine schwache Spur lässt sich auch in den Kreisen der Berliner Boheme verfolgen, Freundschaften existieren beispielsweise zu John Höxter und Hans Bellmer. Der zeitweise exzessive Drogenkonsum stellt nicht nur eine gesundheitliche Beeinträchtigung dar, auch Pritzels schöpferische Kraft lässt nach. Es entstehen zwar weitere Wachspuppen, die Zeit der großen Erfolge ist jedoch vorbei.

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