Lotte Pritzel - Puppen, Kostüme, Zeichnungen - Titelleiste


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Lotte Pritzel
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Abbilder des Menschen in ihrer realistischen, idealtypischen und fantastischen Ausgestaltung haben in der Kulturgeschichte eine lange Tradition: als Figuren in kultischen und religiösen Zusammenhängen, als künstliche Menschen in der Form von Androiden sowie als Puppen im kunstgewerblichen Sinne. Lotte Pritzels Puppen sind aus Wachs, einem Material, das ihnen Leben einzuhauchen scheint. Sie regen zum Dialog an, zum Spiel mit der eigenen Person. Dieses Selbst tritt als Inszenierung auf Fotografien hervor und wird in Tanzaufführungen lebendig. So nehmen die Tänzerinnen Niddy Impekoven und Anita Berber Lotte-Pritzel-Puppen in ihre Programme auf. Auch die Grotesk-Puppen der Künstlerin Erna Pinner, fast lebensgroße Stoffpuppen, die wie die Pritzel-Puppen im Berliner Hohenzollern-Kunstgewerbehaus gezeigt werden, und die bekannten Käthe-Kruse-Puppen finden tänzerische Umsetzung.

Pritzel beschreibt sich als Autodidaktin und betont stets den spielerischen, zufälligen Umgang mit ihrer Kunst, der keinerlei Zusammenhang mit kreativer Schulung oder intellektuellem Kontext habe. Der hohe Bekanntheitsgrad der Pritzel-Puppen, ihre Beachtung in der zeitgenössischen Presse und die Verkäufe zeigen, dass die Erfolge zumindest über zwei Jahrzehnte in keinem Widerspruch zu der konsequent von der Künstlerin negierten Professionalität stehen. Diese Position verändert sie im Verlauf ihrer Karriere kaum. Ihre Wachspuppen sind dekorative Kunstobjekte, platziert in Häusern einer wohlhabenden Käuferschaft.

Die Puppen von Lotte Pritzel sind Spiegel-, Wunsch- oder Suchbild. Dies erfährt etwa Oskar Kokoschka, als er sich durch Pritzels Vermittlung eine lebensgroße Stoffpuppe als Abbild seiner verlorenen Geliebten Alma Mahler herstellen lässt. Auch bei den Wachspuppen von Lotte Pritzel entsteht ein sozusagen intimes Verhältnis zwischen den Kunstfiguren und den Menschen, die sie in Auftrag geben, herstellen, betrachten und besitzen. Die optische und haptische Nähe zur menschlichen Gestalt und die Kraft der Fantasie lassen die Figuren lebendig werden in einem Grenzbereich zwischen Kultobjekt und kunstgewerblicher Arbeit.    

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